Aus der Praxis

19. Jän, 2016

Kennen Sie die Situation – Sie stehen unmittelbar vor einem öffentlichen Auftritt, Ihre Hände werden schweißnass, das Herz beginnt zu rasen und der Atem stockt?

Öffentlich sprechen zu müssen, löst bei vielen Menschen ein enormes Spannungsgefühl, ja sogar Angst, aus – Statistiken zufolge liegt die Angst vor öffentlichem Sprechen weit vor der Angst vor Tod, Einsamkeit oder Dunkelheit:

Folgende Auflistung macht ganz deutlich, welch Emotionen die Angst vor einer öffentlichen Rede auslöst und wie weit dahinter die wahren Ängste der Befragten rangieren!

Öffentlich reden 41%
Grosse Höhen 32%
Ungeziefer-Geldsorgen-Tiefes Wasser 22%
Krankheit, Erbrechen, Tod 19%
Fliegen 18%
Einsamkeit 14%
Hunde 11%
Auto (steuern, mitfahren) 9%
Dunkelheit, Fahrstühle 8%
Rolltreppen 5%
Aus: „The book of lists“ von William Morrow Inc. New York, Angaben in % der Befragten  

 

Diese Redeangst oder auch Angst in der Vortragssituation ist also weiter verbreitet als man denkt. Selbst Prominente geben zu, dass ein öffentlicher Auftritt enormen Stress verursacht. Peter Alexander meinte beispielsweise: „Trotz jahrelanger Showerfahrung bin ich immer noch so aufgeregt wie ein Anfänger“.

Wovor haben wir so große Angst? Hier spielen viele Faktoren mit, wie die Angst davor, sich lächerlich zu machen, sich dem Spott anderer auszusetzen, dass es einem die Rede verschlägt, man ein Blackout hat, den roten Faden verliert usw.

Im Allgemeinen wird diese Angst als „Lampenfieber“ bezeichnet – sollte die Redeangst tatsächlich tiefere psychologische Ursache haben, kann nur ein gezieltes Coaching oder ggf. eine Therapie helfen.

Hier sollen ein paar bewährte Techniken und Tipps aufzeigen, wie man das Lampenfieber reduzieren kann, mit der Betonung auf Reduzieren. Das Lampenfieber komplett zu eliminieren hieße keine Spannung mehr zu empfinden und somit auch keine Spannung aufbauen zu können, man wirkt kraftlos und abgenutzt. Das Spannungsgefühl muss erhalten bleiben, es hält alle Sinne wach und treibt die Konzentration zu Höchstleistung an, um die Spannung für den Redner und das Publikum zu erhalten.

Es gibt bewährte Techniken, die dem Redner helfen, mit Lampenfieber umgehen zu lernen. Zum einen sind das „Klassiker“ wie Mental Training durch Visualisierung des positiven Ausgangs, positive Gedanken, positive Aspekte in seine Gedanken zu holen etc. Das sind Methoden, die jedoch einiges an Zeit und Training benötigen, bis sie in Fleisch und Blut übergehen und so unmittelbar vor dem Auftritt auch nützlich sind.

Ich möchte hier jedoch den „kurzfristigeren“ Methoden mehr Augenmerk geben, die helfen sollen, unmittelbar vor dem Auftritt Ruhe und Gelassenheit zu finden:

  • Atmung ist ein ganz wesentlicher Aspekt beim Sprechen. Lernen Sie auf Ihren Atem zu hören, wenn Sie langsam und ruhig atmen beruhigt sich das Zwerchfell, der Herzschlag wird langsamer und Sie fühlen sich wesentlich ruhiger.
  • Eine weitere Übung aus dem Bereich „Atmung“: Atmen Sie zwei- bis dreimal kräftig ein und wieder aus – denken Sie dabei „negatives raus“ beim Ausatmen und „positives rein“ beim Einatmen.
  • Eine Übung aus der Bioenergetik kann auch helfen: Legen Sie beide Hände flach auf Ihren Kopf oberhalb der Ohren und atmen Sie wiederum zwei- bis dreimal kräftig ein und wieder aus.
  • Ziehen Sie sich unmittelbar vor Ihrem Auftritt zurück, sprechen Sie mit niemanden mehr, das ist ein Störfaktor für Ihre Konzentration. Zum Rückzug eignen sich hervorragend Toiletten  oder Sie machen einen kurzen Spaziergang vor der Tür oder um den Block. Aber auf jeden Fall ziehen Sie sich selbst unmittelbar aus dem Geschehen, stellen Sie sich abseits der Bühne und sammeln Sie Ihre Konzentration.

Auf der Bühne selbst gibt es auch ein paar Tipps & Tricks, die helfen das Lampenfieber auch positiv zu nutzen. Man spürt die nervöse Anspannung, weil der Körper die körpereigene Droge Adrenalin produziert, die Aufmerksamkeit läuft auf Hochtouren und die Sinne sind geschärft. Wie oben bereits erwähnt hilft diese Spannung Höchstleistungen hervorzubringen, weil so die Konzentration gesichert ist.

  • Suchen Sie auf der Bühne den richtigen Stand – schulterbreit, beide Beine fest am Boden. So sind Sie geerdet und fühlen sich sicher. Wieder eine kleine Übung aus der Bioenergetik: Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Baum, fest verwurzelt im Boden mit dem Drang nach oben zu wachsen. Hier können Sie sich auch vorstellen, wie sie durch ein unsichtbares Seil von oben gehalten werden. Das gibt Ihnen Sicherheit und wo stehen Sie sicher und fest.
  • Wichtig ist auch das berühmte Rednergetränk  wenn Sie auf der Bühne selbst spüren, dass keine Beruhigung kommt oder Sie tatsächlich einen Hänger haben, nippen Sie einen kleinen Schluck Wasser, das verschafft Ihnen Zeit sich zu sammeln.

Und eines darf auf keinen Fall zu kurz kommen: die Spaß und die Freude am öffentlichen Auftritt – das kompensiert die Qualen davor allemal.

Letztendlich macht auch bei öffentlichen Auftritten die Übung den Meister, oder wie Cicero einst sagte:

Reden lernt man durch reden.
(Marcus Tullius Cicero, römischer Staatsmann und Schriftsteller, 106 – 43 v. Chr.)

13. Mai, 2015

Von der Vorbereitung bis zum Umgang mit Pannen: 10 Tipps vom Experten, wie Ihr Vortrag auf einer Confare Konferenz ein Hit wird ...

Gemeinsam. Besser. Machen. ist das Motto von Confare - Gemeinsam mit Market & Speaking liefern wir Ihnen die 10 wichtigsten Tipps, wie Sie mit Ihrem Vortrag bei einer Confare-Konferenz erfolgreich sind. Viel Spaß beim Ausprobieren und Üben. Hier geht's zum Artikel.
25. Mär, 2015

Der griechische Philosoph Aristoteles spricht von „Argumentationswegen“, der schlüssigen Aneinanderreihung unterschiedlicher Argumente. Es gibt den induktiven und den deduktiven Weg:

Der induktive Argumentationsweg

„Dieser Staubsauger wird von Herrn Maier bereits seit zehn Jahren erfolgreich in seinem Haushalt eingesetzt. Herr Maier hat in dieser Zeit keine Scherereien mit Wartung und Reparaturen gehabt. Und dies ist nur ein Beispiel für zufriedene Kunden. Auch Sie können darauf vertrauen, dass unsere Produkte Ihnen und vielen anderen interessierten Kunden Nutzen bringen werden ...“

Die Induktion schließt vom besonderen, einzelnen Fall auf allgemeine Zusammenhänge. Die Argumentation in einer Diskussion ist so immer anschaulich. Sie ist zu empfehlen, wenn die Diskussionspartner fachlich wenig von bestimmten Sachverhalten verstehen.      

Übung: Denken Sie sich vor einer Diskussion Beispiele aus, die Ihre Interessen im Gespräch mit anderen Personen absichern und aus denen für Sie günstige allgemeine Schlüsse gezogen werden können. Üben Sie, diese Beispiele in verschiedenen Alltagssituationen   anzuwenden! Sie können dann überprüfen, ob Ihre Beispiele überzeugen.

Der deduktive Argumentationsweg

„Nun, wir sind wie viele Unternehmen stolz darauf, dass wir besonders aktionärsfreundlich sind. Das klingt, so allgemein formuliert, fast selbstverständlich! Ich will Ihnen daher jetzt mal aufzählen, was das für unsere Unternehmenspolitik im Einzelnen heißt und welche  Schlussfolgerungen daraus hier und heute zu ziehen sind ...“

Die deduktive Argumentation ist anspruchsvoller. Sie geht von allgemeinen Zusammenhängen aus und geht dann in die Einzelheiten. Sie benötigen also eine allgemeine These, die für die weitere Argumentation besondere Schlüsse zulässt. Entscheidend für den  Diskussionserfolg ist, dass Ihre allgemeine These den Einwänden Ihrer Diskussionspartner trotzen kann.

Wenn Ihr Diskussionspartner Ihnen entgegnen kann, dass Ihr Unternehmen „schon seit zehn Jahren keine Dividende mehr gezahlt“ habe, hängt die allgemeine These, Sie seien „aktionärsfeindlich“, in der Luft und Sie stehen im Abseits. Ihre Schlussfolgerungen sind dann  nicht mehr nachvollziehbar.

Übung: Sammeln Sie vor einer Diskussion allgemeine Thesen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Kritik widerstehen können! Ziehen Sie daraus die für Sie günstigen Schlüsse! Üben Sie, allgemeine Thesen in Gesprächen Ihres Berufsalltags anzuwenden und entsprechende Schlüsse zu ziehen! Sie werden schnell feststellen, welche allgemeinen Thesen sich als stabil erweisen und welche nicht.

10. Feb, 2015

Die 10 Top Tipps für einen erfolgreichen Auftritt

1)    Die Vorbereitung

Das A & O jeden Vortrages liegt in einer präzisen Vorbereitung. Selbst grandiose Sprecher – und gerade die – bereiten sich minutiös auf ihren Auftritt vor. Warum ist das so wichtig? Eine gute Vorbereitung bietet dem Sprecher selbst ein gutes Gefühl der Sicherheit was wiederum seine Ausstrahlung und somit seine Wirkung auf das Publikum erhöht. Nur wer gut vorbereitet ist, kommt auch gut an.

2)    Authentizität

Gute Vorträge und Präsentationen, die die Hörer begeistern, zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie authentisch sind und die Erwartungen der Hörer treffen. Alles in allem müssen Sie immer bleiben, wer und was Sie sind. Das Publikum spürt, wenn Sie versuchen sich zu verstellen. Sie müssen sich in Ihrer Haut wohlfühlen und als Sie selbst punkten Sie auch bei Ihren Zuhörern.

3)    Die Stimme

Die Stimme ist ein Schlüsselreiz in der Kommunikation. Sie signalisiert Ihrem Gegenüber, ob Sie meinen, was Sie sagen. Stimme und Sprechweise sind für Ihren Partner Gradmesser Ihrer Authentizität. Wie Sie von Ihrer Umgebung als Persönlichkeit beurteilt werden, hängt zu über einem Drittel (38%)  vom Klang Ihrer Stimme ab und nur zu 7% vom Wortinhalt! Ihre Argumente wirken bei dem richtigen Stimmeinsatz wesentlich überzeugender und nachhaltiger.

4)    Aufmerksamkeit

Bei öffentlichen Auftritten ist ein wesentlicher Punkt, die Atmosphäre im Plenum zu beachten. Bauen Sie Kontakt zu Ihrem Publikum auf, schauen Sie sich Ihr Publikum an, suchen Sie sich eine Person, für die Sie Ihren Vortrag gestalten. Ein lächelndes Gesicht, ein zustimmendes Nicken und schon fühlen Sie sich wohl und das Publikum von Ihnen abgeholt. Wichtig ist dann in weiterer Folge, dass Sie diese gewonnene Aufmerksamkeit nicht wieder verlieren. Versinken Sie nicht in Ihren Ausführungen, sondern spüren Sie nach wie es dem Publikum damit geht.

5)    Inhalte

Wichtig ist es Kernbotschaften zu setzen, die leicht verständlich, einzigartig und schnell zu merken sind. Zu Beginn sollten Sie ein präzises Ziel bei der Präsentation definieren – was erwartet das Publikum. Und dann ist es wichtig den Spannungsbogen zu halten – ein gutes Stilmittel dazu ist es, eine Geschichte zu erzählen. Eine Präsentation dient dazu, die Zuhörer von einer Idee, einem Projekt, einem Produkt etc. zu überzeugen. Daher eine Präsentation so gestalten, dass die Zuhörer in eine interessante Geschichte mit einbezogen werden.

6)    Stilmittel

Sie müssen Ihr Publikum bei einer Präsentation auch emotional erreichen, indem Sie Bilder in den Köpfen verankern und eine Verbindung herstellen. Überraschen Sie Ihre Zuhörer - Menschen mögen es, zu lachen und überrascht zu werden. Um die volle Aufmerksamkeit zu erzielen, angemessene (lustige) Anekdoten und aussagekräftige Zitate mit einbauen. Es sollen beim Erzählen Bilder im Kopf des Gegenübers erzeugt werden, die nachhaltig mit Ihnen, Ihrer Präsentation und Ihrem Unternehmen/Ihrer Dienstleitung verbunden sind.

7)    Präsentationsmaterial

Weniger ist mehr - Zahlen/Daten/Fakten werden bei Präsentationen in Hülle und Fülle präsentiert – diese bleiben jedoch in der Flüchtigkeit des Augenblicks nicht beim Publikum hängen. Daher Bilder verwenden und Emotionen schaffen, diese verankern sich wesentlich besser im Unterbewusstsein. Folien oder anderes Anschauungsmaterial sollen unterstützend wirken und nicht als Störer agieren. Wenn Sie wichtige Zahlen haben, die Ihr Publikum unbedingt wissen muss, verweisen Sie auf ein persönliches Gespräch oder darauf, dass diese in den Handouts nachzulesen sind.

8)    Umgang mit Nervosität

Ziehen Sie sich unmittelbar vor Ihrem Auftritt zurück, sprechen Sie mit niemanden mehr, das ist ein Störfaktor für Ihre Konzentration. Zum Rückzug eignen sich hervorragend Toiletten  oder Sie machen einen kurzen Spaziergang vor der Tür oder um den Block. Aber auf jeden Fall ziehen Sie sich selbst unmittelbar aus dem Geschehen, stellen Sie sich abseits der Bühne und sammeln Sie Ihre Konzentration. Sind Sie in der Reihenfolge später dran, lenken Sie sich ab. Rekapitulieren Sie nicht zum 50. Mal den Inhalt Ihrer Rede – Wissenslücken können jetzt sowieso nicht mehr geschlossen werden.

9)    Der Abschluss

Der Redeschluss soll einen Aha-Effekt mit sich bringen. Fassen Sie zusammen und fordern Sie zur entsprechenden Aktion auf. Geben Sie Ihrem Publikum einen Merksatz an die Hand Es gilt: Fordern, statt danken! Hier schließt sich der Kreis zu dem Ziel, das Sie sich mit der Präsentation gesetzt haben. Nutzen Sie die Gelegenheit zu einem starken Call-to-Action, um nach Ihrem Vortrag den Zuhörern einen Anknüpfungspunkt zu geben, mit Ihnen persönlich ins Gespräch zu kommen.

10) Pannenhilfe

Selbst wenn Sie bestens vorbereitet sind, selbstsicher auftreten und mit Freude an Ihre Präsentation gehen, kann es zur einen oder anderen Panne kommen – keine Panik hier ein paar Schnelltipps zur Pannenhilfe.

  • Verhalten Sie sich selbstsicher, zuweilen auch ironisch zu sich selbst. 
  • Zeigen Sie Humor auch in weniger lustigen Situationen. Lächeln Sie.  
  • Versuchen Sie, auch bei Pannen sympathisch zu erscheinen.
  • Machen Sie sich keine abwertenden Äußerungen über andere (die Techniker, den Veranstalter ...).

 

 

26. Jän, 2015

Laut Michael Rossié ist das Ziel des Topfsystems, die Thematik vorzubereiten und nicht Sätze auswendig zu lernen. Das Topfsystem kann man sich als eine Kommode mit verschiedenen Schubladen vorstellen. Jede Schublade oder jeder Topf ist ein Baustein der Rede. Wenn Sie sprechen, öffnen Sie eine Schublade nach der anderen oder anders ausgedrückt, Sie greifen erst in den einen Topf dann in den nächsten. Die nötigen Schritte, um das Topfsystem aufzubauen, fasst Michael Rossié folgendermaßen zusammen: 

  • Bereiten Sie für Ihre Rede keine Sätze, sondern Töpfe vor
  • Für die Töpfe legen Sie eine bestimmte Reihenfolge fest
  • Innerhalb eines Topfes selbst gibt es jedoch keine Reihenfolge. Beim Üben einfach immer mit einem anderen Element anfangen.
  • In jedem Topf stecken Sie drei bis zehn Elemente
  • Zu jedem Element wissen Sie mehrere Sätze
  • Fakten dürfen abgelesen werden

Buchtipp:
Michael Rossié "Frei sprechen: in Radio, Fernsehen und vor Publikum"