Dezemberhimmel - Interview mit L.L. Barth

Interview mit L.L. Barth

Das neueste Buch von L.L. Barth wird im September 2018 erscheinen. Es wird den schicksalsträchtigen Titel „Dezemberhimmel“ tragen und der Frage nachgehen – entscheiden wir selbst oder spielt doch immer wieder ein kleiner Helfer namens Schicksal mit. Wir haben L.L. Barth getroffen und ihr ein paar Fragen gestellt, die sie mit charmanter Offenheit beantwortete. Und wir bekommen exklusiv eine Sneak Preview in ihr neuestes Buch und ein paar interessante Ein- und Aussichten.

 

m&s: Leyla, im September erscheint dein neuestes Buch. Es trägt den Titel „Dezemberhimmel“ – was können deine Leser erwarten?

 L.L. Barth: Das Buch handelt von einer jungen Frau, die immer wieder vor die Wahl gestellt wird und Entscheidungen treffen muss und irgendwie doch vom Schicksal gelenkt wird. Leonora bekommt Chancen und Möglichkeiten, muss sich dafür aber aus ihrer gewohnten Komfortzone herausbewegen. Und da stellt sie sich die Frage, die wir uns auch selbst so oft stellen: „Was wäre, wenn ...“ 

m&s: Du lässt deine Figuren ja immer wieder an ferne Orte reisen – wo geht diesmal die Reise hin? 

L.L. Barth: Diesmal geht es in die aufregendste Stadt der Welt, nach New York – und eine kleine Nebenrolle spielt Los Angeles und zum Abschluss reisen wir noch in die Toskana. (lacht) 

m&s: Warst du eigentlich an allen Orten, von denen du schreibst? Wir bekommen den Eindruck, wenn wir deine Bücher lesen, dass du die Orte in- und auswendig kennst und vor allem gelingt es dir auch immer die Stimmung eines Ortes einzufangen. 

L.L. Barth: Ja ich habe alle Orte, die ich in meinen Büchern beschreibe auch selbst bereist. Und zwar nicht als ‚normaler‘ Tourist, sondern ich habe in jedem der Orte eine Weile gelebt, um so eben auch die Atmosphäre und die Mentalität der Menschen einzufangen.  

m&s: Was dürfen wir jetzt von deinem neuen Buch erwarten? 

L.L. Barth: Die Hauptfigur ist Leonora, eine quirlige, emotionale Wienerin, die nach New York aufbricht, um dort ein Praktikum bei einem Verlagshaus zu machen. Sie lebt in einer langjährigen Beziehung mit Peter und mit dem gemeinsam hat sie sich ein gemütliches Leben eingerichtet. In New York lernt sie dann Amyas kennen, der ihre bisherige Vorstellung der Welt völlig ins Wanken bringt. Und dann gibt es noch Derek, der ihr mit seinen perfekten Dates ein wenig den Kopf verdreht. Doch eigentlich ist Leo in Amyas verliebt und er in sie. Aber die beiden machen es sich nicht gerade leicht. Und die Frage, die sich Leo immer wieder stellen muss ist, welche Entscheidung soll ich treffen und welche ist die richtige. 

m&s: Das ist ja etwas womit wir alle in unserem Leben ständig konfrontiert sind. 

L.L. Barth: Ja genau. Wir haben jeden Tag eine Menge Entscheidungen zu treffen, gehe ich nach rechts oder links, mache ich heute meine Einkäufe oder verschiebe ich sie lieber auf morgen und so weiter. Man weiß einfach nicht, was erwartet mich, wenn ich nach links gehe oder wenn ich heute einkaufen gehe. Vielleicht fällt mir auf der linken Seite der berühmte Ziegelstein auf den Kopf oder ich treffe beim heutigen Einkauf einen interessanten Menschen. Das sind Ereignisse, die unser Leben völlig auf den Kopf stellen können. Kleine Entscheidungen oder lebensverändernde Umstände – das kannst du nie wissen. Das ist ja auch das Spannende am Leben. Aber grundsätzlich bin ich der festen Überzeugung, dass es keine falschen Entscheidungen gibt – es gibt Entscheidungen, die man treffen muss. Ob sie gut für uns sind oder nicht stellt sich immer erst im Nachhinein heraus. Und ich glaube fest daran, dass es das Schicksal schon richten wird – letztendlich führt es uns auf den richtigen Weg. Wenn es auch manchmal Umwege gibt und es vielleicht lange dauern kann. 

m&s: Inwiefern identifizierst du dich eigentlich mit deinen Heldinnen? 

L.L. Barth: In jeder meiner Figuren steckt auch ein bisschen was von mir drinnen. Vielleicht nicht alles, aber Grundhaltungen und Werte, die meine Figuren haben entsprechen schon meinen eigenen. Aber natürlich ist der dichterischen Freiheit auch genug Raum gegeben – ist auch schön, mal in andere Rollen zu schlüpfen. Und ich bin auch nicht immer einverstanden mit den Entscheidungen der Akteure, aber ich lerne auch immer wieder sehr viel über mich selbst, wenn ich die Figuren agieren lasse.  

m&s: Wie können sich unsere Leser das vorstellen – wie erschaffst du deine Figuren? 

L.L. Barth: Ich habe eine gewisse Grundvorstellung, wie die Handlung ist und dann erst erfinde ich die Figuren, die dazu passen. Und meist entwickeln die Figuren ein gewisses Eigenleben, das ich so nicht vorausgeplant habe. Es erstaunt mich selbst immer wieder, wie sich beim Schreiben Dinge entwickeln, die ich so gar nicht vorgesehen hatte. So hätte zum Beispiel in meinem vorliegenden Buch Derek eigentlich gar nicht mitspielen sollen, der kam irgendwie dazwischen – aber er hat Leonora geholfen, ihren Weg zu finden. Das sind die unheimlich spannenden Dinge, die während des Schreibprozesses passieren. Für mich ist das selbst wie ein Buch lesen, nur eben den umgekehrten Weg. 

m&s: Stichwort Schreibprozess – wie bist du eigentlich zum Schreiben gekommen? 

L.L. Barth: Ich habe immer schon sehr gerne und viel gelesen. Als Kind habe ich lieber Bücher verschlungen, als irgendwas anderes zu unternehmen. Ich habe meine Eltern fast zur Verzweiflung getrieben, weil ich ständig Nachschub gebraucht habe. Damals gab es ja sowas wie Amazon oder e-books noch nicht und so hatte ich ein Zimmer voller Bücher und meine Eltern waren ständig in der örtlichen Buchhandlung, um mir neue Bücher zu kaufen. Irgendwann haben sie mir dann eine Dauerkarte für die städtische Bibliothek geschenkt (lacht).

Und ich habe mir schon sehr früh gedacht, das will ich auch können – Schreiben muss etwas Herrliches sein. Zumal mir das Schreiben ja quasi auch in die Wiege gelegt wurde. Meine Großmutter hat sehr viel geschrieben, sie hat auch einiges veröffentlicht, ihre Mundart-Gedichte sind ziemlich berühmt, da wo ich herkomme.

Ich habe dann meine Matura gemacht und überlegt, was ich tun soll. Eine Karriere als Schriftstellerin schien mir damals sehr unwahrscheinlich und daher habe ich etwas Artverwandtes studiert, nämlich Literaturwissenschaften. Dann habe ich mich immer noch nicht getraut, zu versuchen vom Schreiben zu leben und habe als Werbetexterin und Mediaplanerin gearbeitet. Aber irgendwann musste das was ich mir am meisten wünschte einfach raus, es hat schon gebrodelt wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch. Mein Kopf war voller Ideen für Bücher und dann habe ich nebenbei angefangen zu schreiben und als mein zweites Buch ein Erfolg wurde – das erste blieb leider ein Ladenhüter (lacht) – habe ich beschlossen, mich voll auf das Schreiben zu konzentrieren.

 m&s: Man hört ja immer wieder von Leuten, die sagen ‚irgendwann schreib ich mal ein Buch‘ – was würdest du Neo-Autoren raten? 

L.L. Barth: Da würde ich einfach sagen ‚Just do it‘. Wenn man diesen Drang verspürt soll man es einfach probieren. Nicht jedes Buch wird ein Bestseller und nicht jeder, der den Drang zu schreiben verspürt ist eine zweite J.K. Rowling – aber einfach probieren. Dann sieht man auch ob das Spaß macht oder einfach ein Wunsch bleibt. Der erste Schritt ist immer der schwierigste und das erste Buch ist immer eine Überwindung. Man gibt ja auch sehr viel über sich selbst preis damit. Aber wie gesagt – einfach mal hinsetzen und zu schreiben beginnen und schauen wohin das ganze führt. 

m&s: Klingt ja ganz einfach ... eine andere Frage, du bringst deine Bücher ausschließlich im Self-Publishing raus – warum? 

L.L. Barth: Ich habe mich dazu entschlossen, weil ich eben genauso schreiben möchte, wie es mir buchstäblich aus den Fingern rinnt. Das ist eine gute Möglichkeit, genau seine Vorstellung eines Buches auf den Markt zu bringen. Ich habe den Weg bewusst gewählt, weil ich nicht möchte, dass sich irgendjemand in meine Geschichten einmischt. Vielleicht würde ich mehr verkaufen, wenn ich von einem großen Verlag vertreten werden würde, das mag durchaus sein. Aber solange ich das Gefühl habe, mir gefällt was ich schreibe, möchte ich das nicht ändern. Man hört ja wahre Horrorgeschichten von Autoren, die zig-Mal Verlage anschreiben, oft keine Antwort oder wenn eine automatische Absage erhalten – ist ja übrigens auch der bereits vorhin zitierten J.K. Rowling passiert – und das wollte ich nicht. Ich freue mich darüber, wenn Leser meine Bücher kaufen, so wie sie sind. 

m&s: Wie läuft bei dir das Schreiben ab, wie können sich deine Leser das vorstellen? 

L.L. Barth: Ich gehe am Morgen in mein Büro und setze mich zu meinem Computer, das ist wie in einem normalen Job, man geht ins Büro und arbeitet. Für mich ist es sehr wichtig, hier einen geregelten Tagesablauf zu haben. Aber ich hab mein kleines MacBook auch überall mit dabei – falls mich eine Idee oder eine Formulierung nicht mehr loslässt, habe ich sofort die Möglichkeit das aufzuschreiben.  

m&s: Hast du auch schon eine Idee, wie dein nächstes Buch sein wird? 

L.L. Barth: Ja, sogar schon sehr konkret. Wir werden das nächste Mal nach Buenos Aires reisen und auch die Zeit ein wenig zurückdrehen. Mehr wird noch nicht verraten. (schmunzelt) 

m&s: Eine letzte Frage noch, gibt es irgendeinen Trick oder Spleen bei dir, oder ein Ritual, das dich beim Schreiben begleitet? 

L.L. Barth: Ja tatsächlich da gibt es was, ich habe zu jedem Buch einen gewissen Song, der die Stimmung des Buches für mich wiedergibt. Das ist sozusagen der Soundtrack zu meinen Büchern. Jetzt willst du wahrscheinlich wissen, welches Buch welchen Song in sich trägt. (schmunzelt) Also ausnahmsweise verrate ich hier meine geheimen Songs zu den Büchern. Bei „Sonne & Mond“ ist es „Mi Tierra“ von Gloria Estefan, bei „L-O-V-E“ natürlich „Love“ von Nat King Cole und bei meinem neusten Buch „Dezemberhimmel“ ein ganz entzückendes Duett von Michael Bublé und Meghan Trainor „Someday“. So nun habe ich aber genug meiner Geheimnisse preisgegeben. (lacht) 

m&s: Vielen Dank Leyla für das offene und inspirierende Gespräch. Und alles Gute mit deinem neuen Buch „Dezemberhimmel“ – wir dürfen gespannt sein.

 

Anmerkung: m&s verlost anlässlich der Neuerscheinung von L.L. Barths neuestem Buch „Dezemberhimmel“ 10 Exemplare. Einfach ein mail an writing@marketandspeaking.com schreiben und die ersten zehn Einsender erhalten ein signiertes Gratisexemplar.